Halo Effect

Halo-Effekt und Gruppenzwang

Es ist Sonntagabend und die Sonne ist dabei unterzugehen. Das Wochenende ging schneller um als gedacht aber du konntest die Dinge, die du dir vorgenommen hast erledigen und sogar noch etwas abschalten. Morgen beginnt wieder der gewohnte Arbeitsalltag. Mit den meisten deiner Kollegen und Vorgesetzten kommst du gut klar. Du bist Teil der Gemeinschaft, auch wenn du wahrscheinlich privat nichts mit deinen Kollegen machen würdest, kommst du gut genug mit ihnen klar um deine Arbeit erwartungsgemäß zu verrichten. Viel höher ist auch nicht dein Anspruch.

 

Doch da gibt es diesen Mitarbeiter aus der anderen Abteilung, mit dem du zusammenarbeitest. Thomas ist in ähnlichem Alter und genauso lange in der Firma wie du. Du magst ihn nicht. Kannst aber nicht sagen, was dich an seiner Art stört. Du hast lediglich mitbekommen, dass er letztes Jahr aufgestiegen und unter seinen Kollegen geschätzt wird. Hin und wieder nach Feierabend oder bei Veranstaltung, gibt er grenzwertige Aussagen von sich, die seine Kollegen anscheinend zum Brüllen finden. Du allerdings nicht. Versucht dein Bestes, um professionell zu sein, auch wenn es dir leicht unangenehm ist. Nach eurem Meeting habt ihr denselben Weg zum Schreibtisch und du bist in Gedanken schon wieder bei dem nächsten To-do für heute. Unterbewusst nimmst du noch wahr, wie Thomas sich zu seinen Kollegen an den Tisch setzte und in halblauter Stimme murmelt: „Sag ich doch, dass die von der PR-Abteilung immer nur halbe Sachen machen“.

Dich überkommt kurz ein Gefühl des Zweifels, während dir gleichzeitig heiß wird. Hat er das gerade wirklich von sich gegeben oder habe ich mich verhört denkst du dir? Während du wie ferngesteuert weiterläufst, nimmst du einige Meter entfernt immer noch das Gelächter der Kollegen wahr. Am Arbeitsplatz angekommen, musst versuchst du dich kurz zu ordnen, um zu verarbeiten, was gerade passiert ist. Gedanken tauchen auf wie: Wieso sagt er dass? Wie können die anderen das witzig finden? Was hat er gegen mich? Sehe ich jetzt schwach aus? Deine anfängliche Verwirrung beginnt langsam sich in Wut umzuschlagen. Am liebsten würdest du zurücklaufen und in zur Rede stellen. Du entscheidest dich am Ende trotzdem sitzen zu bleiben und dich wieder deiner Arbeit zu widmen. Zu viel gibt es heute noch zu tun.

 

Jeder hat eine ähnliche Situation schonmal erlebt. Ob bei der Arbeit oder privat. Menschen sticheln manchmal gerne. Nicht jeder kennt dabei sein Grenzen und schießt gelegentlich übers Ziel hinaus. Dabei ist zusätzlich zwischen Kollegen und Freunden zu unterscheiden. Jedoch hat Thomas in dieser Situation ordentlich daneben gegriffen, dass sollte klar sein. Man könnte manchmal fast meinen, unsere Gesellschaft belohnt diejenigen, die Arroganz, Überheblichkeit und Ego ihr Eigen nennen. Leute die Erfolg und Selbstbewusstsein auf Kosten anderen aufbauen. Sie wollen Chef der Gruppe sein. Bestimmen, welche Art von Verhalten und Humor als akzeptabel gelten. Rechtfertigen dies mit guten Leistung oder geselligem Verhalten. Jedoch liegen sie mit solchen Aktionen für jeden mit gesundem Menschenverstand eindeutig im Unrecht. Wie kann also ein offensichtliches Fehlverhalten gegenüber anderen trotzdem innerhalb einer Gruppe toleriert werden oder Anerkennung erhalten? Die Antwort ist wie oft bei menschlichem Verhalten simpel und komplex zugleich. Oder sagen wir besser vielschichtig.

 

Thomas hat mit seiner Aussage ordentlich daneben gegriffen, daran sollte objektiv gesprochen kein Zweifel bestehen. Trotzdem scheint er damit durchzukommen. Aufgrund der Tatsache, dass ca. 80% seines Verhaltes tolerabel wirkt, kommt er mit den restlichen 20% durch. Zudem ist er fester und respektierter Bestandteil der Gruppe, was selbst im Arbeitskontext nicht zu unterschätzen ist. Über den augenscheinlichen Fauxpas, den er sich geleistet hat, wird hinweggesehen, da es zu seinem Wesen gehört, dass er sich gelegentlich im Bereich der 20% befindet. Gerade überdurchschnittliche Arbeit und langjährige Beziehungen rechtfertigt hier erstaunlich viel. Ähnlich wie privat, wo das Verhalten bereits bekannt ist aber man halt einfach dazugehört.

 

Durch persönlicher Erfahrung durfte ich lernen, dass, selbst wenn man sich im Recht befindet, direkter Widerstand regelmäßig in Unbeliebtheit resultiert. Man wird schnell zum Außenseiter, allein weil man sich gegen die Gruppe auflehnt. Die Unsicherheit der anderen Gruppenmitglieder verhindert meist, dass Fehlverhalten adressiert wird, um nicht selbst zum Ziel zu werden. Jedem der schonmal einen Blick in ein Geschichtsbuch geworfen hat, sollte dabei rasch bewusst werden, wozu die Akzeptanz des offensichtlich Falschen, langfristig führt bzw. welche Folgen es mit sich ziehen kann. Da stellt sich unausweichliche die Frage, wie viel geistige Reife in den meisten Menschen trotz eines erwachsenen Körpers steckt, egal ob als Akteur oder Teil einer Gruppe #kindergarten. Es scheint fast so, als wären die gesellschaftlichen Probleme im Kern immer noch die gleichen nur in unterschiedlicher Ausführung.

 

Evolution des Menschen bis hin zum Rückschritt

 

Wie sich also richtig Verhalten in so einer Situation, um diese nicht unnötig zu verschlimmern und am Ende trotzdem den Kürzeren zu ziehen? Dies kann je nach Situation und Kontext natürlich variieren, deswegen gibt es hierzu keine Patentlösung. Um eine Sache vorwegzunehmen, ist das schiere Ignorieren solcher Situationen, ohne irgendeine Handlung sicherlich der Weg, den man gehen kann. Dies würde die vollständige Toleranz bzw. Akzeptanz des Fehlverhaltens bedeuten und die meisten von uns werden wissen, dass dies nicht die Lösung sein sollte. Deswegen findest du hier einige Wege, um die Situation für dich am besten zu lösen und gleichartige Vorfälle in der Zukunft zu vermeiden:

 

  • Meistens sind Menschen die solch ein Verhalten an den Tag legen innerlich unsichere und suchen deswegen die Bestätigung bzw. Aufmerksamkeit im Außen. Sprich Sie am besten persönlich unter vier Augen darauf an und Frage nach einer Erklärung – Spoiler-Alert: Meistens gibt es diese nicht sondern die eigentliche Unsicherheit kommt zum Vorschein
  • Sehe es als Test deiner Persönlichkeit, um dem vermeintlichen Provokateur wissen zu lassen, dass du nicht vor unangenehmen Situationen davonrennst. Am Besten nimmst du die Situation mit Humor und verlierst diese in einen witzigen oder fast schon lächerlichen Kontext. Damit vermittelst du den Eindruck von Selbstbewusstsein und Standhaftigkeit ohne die Fassung zu verlieren
  • Zufriedene Menschen, die mit sich selbst im Reinen sind, müssen sich nicht auf Kosten anderen profilieren. Schenke ihnen so wenig Beachtung wie möglich, außer es ist unvermeidbar. Sie verdienen weder deine Aufmerksamkeit noch Anerkennung für schlechtes Verhalten

Tipps und Ratschläge für den Umgang mit ähnlichen Situationen sowie weitere Informationen, findest du unter folgendem Link.

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