Materieller Detox in der Natur beim Camping. Mit einem Feuer auf dem Kannen stehen

Materieller Detox

Dein Arm gleitet ungewollt über den wackligen Campingtisch und das Handy fällt mit der Displayseite auf den Boden. Du schaltest es ein, um sicherzugehen, dass alles ganz ist. Ein Gefühl der Erleichterung macht sich breit und du steckst es in die Hosentasche. Einen kurzen Moment hältst du inne, weil es ungewohnt scheint. Benachrichtigungen sind aufgeklappt, aber das ist im Moment zweitrangig. Um dich herum passiert gerade viel Wichtigeres.

 

Jeder von uns kennt die berüchtigte Screentime. Meistens länger als gedacht und vor allem als gewollt. Zu verlockend ist der Blick zwischendurch aufs Handy. Während der Arbeit, in der Bahn oder auf der Toilette. Nach Feierabend auch mal etwas länger um auf dem neusten Stand zu sein. So werden schnell aus Minuten Stunden und man wundert sich, wie es schon so spät sein kann. Dabei hat man noch einen Haufen zu tun. Willkommen im Alltag des 21. Jahrhunderts.

 

Stell dir kurz vor, das Handy würde sich auf einmal nicht mehr einschalten lassen.  Oder das Display würde nicht mehr reagieren und du wärst zum digitalen Detox gezwungen. Was würde das in dir auslösen? Welche Gedanken hättest du? Was würde dir fehlen? Plötzlich abgeschnitten und nicht mehr erreichbar. Dabei haben Menschen doch die meiste Zeit ohne Handy verbracht. So schwer kann das also nicht sein, es mal wegzulegen. Naja, kommt drauf an. Die Umgebung ist dabei ausschlaggebend. Wir Menschen sind soziale Wesen und reagieren stärker auf äußere Einflüsse, als uns manchmal bewusst ist. Dabei können besonders negative bzw. unangenehme Einflüsse besonders stark wirken, die meisten mit Ablenkung einhergehen. Da folgt der Griff zum Handy manchmal fast schon unbewusst.

 

Gerade bist du aber im Campingurlaub mit Freunden und hast dein Handy wie selbstverständlich wieder in die Hosentasche gesteckt. Es fällt leichter und Themen wie Screentime musst du dir gerade keine Gedanken machen. Du hast ein gutes Gefühl und fühlst dich freier. Auch die Unordnung um dich rum und die Tatsache, dass deine Klamotten Flecken haben, stört dich nicht wirklich. Dir wird bewusst, wie einfach das Leben sein kann und wie wenig man eigentlich braucht um einigermaßen zufrieden zu sein. Das Handy gehört im Moment jedenfalls nicht dazu. Für Essen, Trinken, Schlafplatz und Unterhaltung ist gesorgt. Das Wetter scheint auch zu halten. Das zwischenzeitliche Gefühl der Leere, dass du gelegentlich im Alltag verspürst, ist verschwunden. Selbst wenn du alleine bist. Woran liegts? Was ist anders? Richtig die Umgebung. Also nun aufs Land ziehen und leben wie vor einem halben Jahrhundert? Nein natürlich nicht.

 

Wie im Blog-Beitrag Analoges Gedächtnis bereits angesprochen, ist die Welt nicht schwarz-weiß. Aber allein die Erkenntnis, dass sich Bedürfnisse und Verhalten unsere Umgebung anpassen, reicht, um unser Denken insoweit zu verändern, dass es uns leichter fällt, gewisse Dinge weniger zu konsumieren. Also quasi ein materieller Detox. Der Schlüssel dazu liegt wie bei den meisten Dingen in der Gewohnheit und einer kleinen Portion Disziplin. Kleine Dinge, die du in deinen Alltag integrieren kannst, um dich wieder zu erden. Glaubenssätze und Ideen, die dir kurz den Spiegel vorhalten, um dich wachzurütteln und dich an das zu erinnern, was langfristig geistige Erfüllung bringt.

 

Das Thema Detox dargestellt anhand von Buchstaben

 

Anbei findest du eine kleine Auswahl an Gedanken bzw. Fragen, die dir dabei helfen können:

 

  • Was brauche ich gerade um mich besser zu fühlen, dass mich kein Geld kostet?
  • Wie würde ich reagieren, wenn mich ein Freund das Handy wegnimmt und es mir erst nach 24 Stunden zurück gibt?
  • Wenn ich irgendwann mal nicht mehr leben, wie viel Wert haben dann noch meine materiellen Besitztümer?
  • Muss ich bei jedem Thema immer up-to-date sein, um mitreden zu können?
  • Welche anderen Formen von Unterhaltung außer Handy und Fernseher gibt es noch, die mir Spaß machen?
  • Was sind meine 10 wichtigsten materiellen Besitztümer?
  • Wie viel Wert lege ich darauf, von anderen als angepasst/konform wahrgenommen zu werden?
  • Wenn ich bis morgen 500€ verdienen müsste, welche Gegenstände würde ich auf eBay verkaufen?
  • Welcher Gegenstand habe ich schon seit Ewigkeiten, der immer noch einwandfrei funktioniert?
  • Ist es mit unangenehm elektronische Geräte gebraucht zu kaufen und wenn ja warum?

Notiere dir gerne die 10 Gedanken oder mache ein Foto, auf das du dann bei Bedarf immer schauen kannst. Natürlich auch gerne mit dem Smartphone 😉 Mache das einmal täglich entweder vor oder nach Feierabend. Notiere die dir gerne wichtige Antworten oder Verstellungen um diese im Nachhinein bewerten zu können. Teile gerne deine Gedanken oder Erfahrungen zum Thema materieller Detox mit mir über das Kontaktformular.

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