Stell dir vor du machst einen Spaziergang im Park. Nur mal kurz den Kopf freikriegen nach der Arbeit und ein paar Minuten durchatmen, bevor das Karussell des Lebens wieder weiterfährt. Und etwas Bewegung tut ja bekanntlich gut. Du läufst durch die Gegend und genießt die frische Luft. Vielleicht trifft man ja zufälligerweise einen Freund oder Bekannten. Tauscht sich kurz aus, um von den eigenen Gedanken loszukommen.
Du biegst kurz in eine Seitenstraße ein, da nimmst du in einigen Metern eine fremde Person war. Ein Gefühl der Unentschiedenheit ergreift dich, dass du schwer einordnen kannst. Kenne ich diese Person? Oder sieht sie nur jemandem ähnlich den ich kenne. Die Distanz verkürzt sich und du musterst die Person vorsichtig. Du läufst einige Meter weiter und nimmst wahr, wie dein Kopf rattert. Plötzlich fällt es dir wie Schuppen von den Augen. Das war der Ex-Freund von Lisa, nur mit einer anderen Frisur. Wusste ich doch, dass ich mich nicht täusche. Sofort schießen dir Erzählungen und unliebsamen Details in den Kopf, die Lisa kurz vor Ihrer Trennung mit dir geteilte. So genau wolltest du es damals gar nicht wissen und nun ist die Situation von damals wieder real. Hat er mich erkannt? Hat er eine neue Freundin oder ist sogar verheiratet? Naja egal, er war eh ein Arschloch laut Lisa.
An diesem Moment möchte ich kurz stoppen. Wahrscheinlich hat jeder eine ähnliche Situation schonmal erlebt. Man trifft auf jemanden, den man nicht treffen möchte. Ein Mensch, der in einem Gefühle auslöst, die entweder negativ behaftet sind oder zu Unschlüssigkeit führen. Objektiv gesehen sind lediglich zwei Menschen aneinander vorbeigelaufen. Trotzdem herrscht nun Chaos im Kopf. Na super toller Entspannungs-Spaziergang…
Um das Leben besser ordnen zu können kategorisieren wird unterbewusst Dinge wie Erfahrungen, Gegenstände und auch Menschen. Das ist völlig normal und hilft uns die Welt um uns herum besser zu verstehen. Die wohl simpelste Unterscheidung, die unser Gehirn dabei macht, ist dabei gut – schlecht, gefährlich – harmlos oder böse – friedlich etc. Am Beispiel von Lisas Ex-Freund, wären wir hier wohl relativ schnell bei schlecht und böse. Dabei weiß jeder von uns tief im Inneren, dass kein Mensch ausschließlich negative Seiten hat. Lisa musste doch irgendeinen Grund gehabt haben, mit dem Ex eine Beziehung zu führen. Nach einigen Minuten grübeln kommst du zu der Erkenntnis, dass du den Ex eigentlich gar nicht so gut kennst und dein Bild von ihm fast ausschließlich auf Erzählungen von Lisa basiert. Dein gesunder Menschenverstand schaltet sich ein und du erinnerst dich wie verliebt Lisa am Anfang der Beziehung war.
Einer der verbreitetsten Trugschlüsse, den jeder von uns täglich zum Opfer fällt, ist in Schwarz-Weiß Mustern zu denken. Evolutionär bedingt, können wir teilweise wenig dagegen unternehmen und pauschalisieren demzufolge schnell. Dieses Auto ist schön, diese Partei ist korrupt, dieser Onkel ist großzügig oder eben dieser Mensch ist böse. Dabei wiegen die negativen Gefühle und Eindrücke natürlich stärker als die positiven (Negativitätsbias). Das Gehirn unterscheidet dabei nur selten, sondern neigen zu analogen Einschätzungen. Entweder ist etwas gut oder eben schlecht. Dazwischen befindet sich wenig Spielraum für Nuancen. Erkennst du dich beim Durchlesen wieder oder fühlst dich ertappt? Keine Sorge das ist wie gesagt völlig normal.
Mir geht es vielmehr darum dich wie bei den meisten meiner Blog-Posts, zum Nachdenken anzuregen. Bestimmt fallen dir zu gewissen Dingen, die du als negativ abgestempelt hast, auch ein paar positive Aspekte ein. Nichts auf der Welt ist meiner Meinung zu 100% schlecht oder gut, böse oder friedlich. So einfach ist die zunehmend komplexere Welt in der wir im 21. Jahrhundert leben eben nicht. Je nachdem in welcher Art und Weise wir uns ein Bild formen, entsteht auch die Einstellung und Meinung zu den Dingen.
Selbst der unerträglichste Mensch hat auch gute Eigenschaften an sich, selbst der kompetenteste Chef ist nicht unfehlbar, sogar die schlimmsten Diktatoren und Tyrannen der Geschichte hatten viele bewundernswerte und besondere Aspekte an sich. Wieso fragst du dich? Ganz einfach, weil wir Mensch sind.


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